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Wer ist denn Felix Krivin
oder wie man
Humor nachdichten kann
von
Antje Wilding, Leiterin der Schreibwerkstatt Schöneiche
Es
ist schon über 10 Jahre her, da suchte Michail
Milmeyster vom Schöneicher Integrationsverein
„Schtetl“ in Schöneiche einen Nachdichter,
der bereit war, ein Gedicht von Felix Krivin, das er in sein
Liedprogramm
einbauen wollte, ins Deutsche zu übertragen. Im
russischsprachigen Raum hatte
sich Felix Krivin (geb. 1928) in den 60-er und 70-er Jahren des 20.
Jahrhunderts
als Verfasser humoristischer Prosa und Lyrik einen großen
Namen gemacht, der ihm
allerdings auch manche Schwierigkeit einbrachte: 1973 wurde sein Buch
„Nachgeahmtes
Theater“ eingestampft (zum Glück passierte es nur
mit wenigen Exemplaren, weil
die meisten im Handumdrehen verkauft waren), um andere Titel musste
heftig mit
der Literaturzensur gerungen werden – der Autor ertrug es
gelassen. Immerhin
hatte er bis zum Ende der Sowjetunion schon 33 Bücher
veröffentlicht, war
außerdem jahrzehntelang vielgelesener Autor der Satirezeitung
„Krokodil“. Etliches
von ihm wurde auch in anderen Ländern übersetzt,
leider gar nichts in Deutschland.
Von
1955 bis 1998 lebte Krivin im transkarpatischen
Ushgorod. 1998 verließ er die Ukraine, um nach Israel zu
ziehen und dort als
Schriftsteller neuen Fuß zu fassen, was ihm gelang. Seine
ironisch-satirischen Werke
blieben auch in seiner alten Heimat sehr populär, ihre
Hintergründigkeit
verlangt jedoch ausgezeichnete Kenntnisse der russischen Sprache, wenn
sie
adäquat in eine andere Sprache übertragen werden
sollen – besonders seine
Gedichte. In Peter Dehmel, einem Slawisten und Mitglied der
Schreibwerkstatt
Schöneiche, fand Michail Milmeyster den Nachdichter, den er
suchte. Gleich der
erste Versuch traf so sehr den Kern des Krivinschen Humors, dass P.
Dehmel
ermutigt wurde, weitere Gedichte zu übertragen. Gemeinsam mit
der Verlegerin
Regine Dehnel widmete er sich einem deutsch-russischen Buchprojekt. Es
begann
2005 und endete 2010 mit der Veröffentlichung des zweisprachig
russisch-deutschen Bandes Krivinscher Gedichte „Gedanken im
Wind“.
2010
wurde in einem eher kleinen Kreis ein erster
Versuch unternommen, das Buch in der Öffentlichkeit
vorzustellen: in einer Lesung
trugen Mitglieder des Integrationsvereins „Schtetl“
und Mitglieder der
Schreibwerkstatt Schöneiche Krivin-Gedichte auf Russisch und
auf Deutsch vor. Mehrere
längere Gedichte, von Michail Milmeyster vertont und
parodistisch ausgefeilt, wurden
von Anna Tkatsch als Lieder vorgetragen. Dieses kleine Kulturexperiment
wurde
ein Erfolg, der jetzt in einer zweiten Veranstaltung wiederholt werden
sollte.
Als
die russischen und deutschen Mitwirkenden
jedoch am frühen Nachmittag des 25. Januar 2014 im Erkneraner
Rathaus eintrafen,
erschien ihnen der vorgesehene Bürgersaal zwar sehr
schön, aber allzu groß,
denn zeitgleich fand im Heimathaus Erkner eine lokal sehr
populäre Veranstaltung
statt; vorausschauend hatte man die Bestuhlung des Rathaussaales stark
ausgedünnt, denn man rechnete ja nicht mit einem
großen Andrang von Besuchern,
eher mit einem Häufchen von Enthusiasten der russischen
Sprache und Literatur. Doch
es kam anders. Dank der Ideen des Erkneraner Vereins „Freunde
der Kunst“ unter
Leitung von Frau Riedel bei der Vorbereitung und
„Vermarktung“ der
Krivin-Lesung waren bis 15 Uhr alle herausgenommenen Stühle
zurück in den Saal getragen
und von interessierten Gästen besetzt worden.
Dann
ging es los. Insgesamt mehr als 20 Gedichte
wurden zweisprachig von den im Publikum sitzenden Mitwirkenden des
„Schtetl“
und der Schreibwerkstatt rezitiert, außerdem sang Michail
Milmeyster, von
seinem Sohn Pawel Milmeyster auf der Gitarre begleitet, diesmal sechs
Lieder
selbst. Das Publikum war vor allem von seinem Vortrag der
Krähe zu dem Gedicht
über den „Vogel Fletti, der so ganz anders
flog“ hingerissen. Das „Lied vom
Kamel“, das zum Abschluss zweisprachig und emotional sehr
berührend gesungen
wurde, beendete die Veranstaltung in genau der wunderbar entspannten
und
glücklichen Stimmung, die dem von den großen
Fenstern in den Saal gelassenen letzten
warmen Tageslicht entsprach.
Vielen
Dank noch einmal an alle, die sich für diese
Veranstaltung eingesetzt haben!
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